Sonntag, 17. Juli 2011

English spoken

Sitze gerade auf der Terrasse des Oasis Guesthouse neben sechs Amerikanern, Engländern, what ever,und einer hat sich gerade geoutet, dass er die Chinesen als solche nicht mag, u.a. weil sie kein Englisch sprechen. 2 Minuten später wird über die andern Nicht-Engländer hergezogen, die Franzosen, die Spanier, und alle sind sich einig und fühlen sich gut. Ich frage mich ernsthaft, warum sie diese Reise unternommen haben. Und ich frage mich schon den ganzen Nachmittag, warum sich alle Traveller ausgerechnet in einer Enklave Ulan Bators treffen, in der sie nur germanisierte Mongolen treffen, wahrscheinlich aber gar keine, stattdessen andere Traveller, die auch nur dasselbe machen wie alle,  von ihren Afrika-Reisen erzählen oder vom Jahr 2003.Ich werde noch eine Weile darüber nachdenken müssen, es fällt mir nichts dazu ein. Vielleicht geht es ihnen so wie mir, ich habe im Internet darüber gelesen, und wußte keine Alternative.
Ich hatte den Sitz ganz vorne auf dem Flug nach Peking, mit Möglichkeit, ein Baby in den Tragekorb zu legen. Die gewonnene Beinfreiheit wurde durch abwechselndes Schnarchen, Spielwut auf einer lauten Tastatur (die mich an meinen Kollegen Rainer erinnerte) und Beschweden bei der Besatzung meines chinesischen Nachbarn leider wieder ausgeglichen, Schlaf gleich Null. Aber ein paar Brocken Englisch konnte er, und nett war er auch.
Peking ist ein viel zu groß gebauter völlig leerer Flughafen. Nachdem es mangels Masse schon keine Leute zu bewundern gab, mal ein Blick auf den Fernseher. Tischtennis, was sonst. Endlich der Flug nach Ulan Bator.
 Ausgleichende Gerechtigkeit: die Beinfreiheit gibt es statt für mich diesmal für den Bengel hinter mir. Über 2 Stunden arbeitete dieser Dreikäsehoch meinen Rücken mit seinen Füssen, und dazu noch seine ständigen altklugen Kommentare zum Geschehen! Nerv!!! Bei der Gepäckausgabe versorgte mich sein Papa aber dann noch mit guten Informationen. Ok, verziehen.
Nach Nebel in Peking gab es kurze Zeit später blauen Himmel und eintönige Steppenlandschaft. Erst kurz vor Ulan Bator wurde es plötzlich grün, und sogar ein paar Bäume stehen hier noch. Die Mongolei aus der Luft gefällt mir, Flüsse, Seen, Wasser überall, Berge, Tiere, Jurten, es sieht schön aus.

Mit dem Taxi geht's in Oasis Camp. Sybille ist sehr nett, aber bei dem Betrieb kann sie sich nicht persönlich um alles kümmern.
Nicht weniger als 12 Motorräderstehen auf dem Hof, ein deutscher 4x4 kommt noch dazu. 3 deutsche Mopedfahrer erzählen mir von Horroretappen, ein vierter Mitfahrer ist in der Mongolei ausgestiegen. Das Pärchen vom 4x4 kann da nur lachen, sie können nicht umfallen, aber auch sie haben nur einen Schnitt von 30 km/h geschafft. Ist vielleicht doch noch einmal überarbeitungswürdig, unsere Tour.
Am Nachmittag bin ich zu Fuß auf Stadtbesichtigung. Die Hauptstrasse ist teils wirklich chaotisch. Lange Staus,wegen großer Schlaglöcher, die mein Cabrio daheim gar nicht verkraften würde. Hier regt sich keiner auf, selbst die dicken Busse meistern das. Zur Not werden die Bürgersteige als Fahrweg benutzt. Fussgänger haben hier keine Chance. Warum es hier wohl Zebra-Streifen gibt? Die Autos hupen, halten aber nicht an.
Immer noch 30°C, das komme ich beim Laufen ganz schön ins Schwitzen. Viele Mongolen laufen mit Sonnenschirm rum, sind überhaupt sehr modisch hier in der Hauptstadt. Entgegen meiner Vorstellungen bisher sind sie ziemlich hellhäutig, kaum dunkler wie wir Deutsche. Nur die Haare sind einheitlich schwarz. Bisher sind die meisten Begegnungen sehr nett. Als mir einer aber nach "Germany good - Mozart, äh..., Adolf Hitler" dann sein um den Hals gehängtes Nazi-Kreuz zeigt und seine 3 Kumpane Zustimmung signalisieren, sage ich ihm doch, dass wir da anderer Meinung sind, und verdufte.

Neben den gestylten Mongolinnen und Geschäftstypen gibt es auch immer wieder Armut und Mangel an Essen, Wohnung und Arbeit. Der hier lag direkt an der Bushaltestelle, keiner stört sich daran. 3 Millionen Menschen leben in der Mongolei, die 5 mal so groß wie Deutschland ist, davon fast die Hälfte in Ulaan Baatar, und es werden immer mehr. Ich bin gespannt, wie es im Rest der Mongolei aussieht.
Der Hauptplatz von Ulaan Baatar ist der Sükhbaatar Platz mit dem Regierungsgebäude. Von hier aus lassen sich die meisten Sehenswürdigkeiten in der Stadtmitte gut zu Fuss erreichen.


 Bei der Hitze suchte ich mir Abkühlung im Nationalmuseum, in dem nicht nur Gegenstände der mongolischen Kultur vom vollständig aufgebauten Ger bis zu den Dämonmasken der Kloster-Tänze zu besichtigen waren, sondern auch teils bis zu 100000 Jahre alte Funde aus der Vergangenheit.

Abends dann Kontaktaufnahme mit andern Reisenden im Oasis. Das Pärchen im Toyota Landcruiser will weiter nach Südostasien, haben ein Sabbatjahr genommen.Die 3 deutschen Motorradfahrer wollen über Russland wieder zurück, sie haben jetzt erst die Hälfte hinter sich und sind entweder schon Rentner oder haben Urlaub zusammengespart.    

Kommentare:

  1. Hi Papa,
    wir sind ja froh, dass du gut angekommen bist. Schöne Berichterstattung!
    Grüße MMMMM

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  2. Hallo Uwe,
    ich wünsche Dir eine gute Reise. Ich freue mich schon auf neue Bilder und Berichte. Wie bei Hartmuts Blog schaue ich auch hier inzwischen fast täglich nach, was es Neues gibt.
    Viele Grüße
    Jörg

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  3. Tach Uwe,

    schoen, dass Du alles so weit ueberstanden hast. Ich komme morgen Nachmittag etwa an. Halte mir irgendwo einen Platz frei.

    Bis dann,
    Hartmut

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  4. Hi Uwe,

    Oh, Dschingis Khan, das passt ja irgendwie zu Eurem Trip. "He Reiter, Ho Reiter, immer weiter!".

    Schönen Gruss aus der Bank für Gemeinheiten.

    Peter

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