Freitag, 8. April 2011

BMW G650 XChallenge

1200 GS in Apamea /Syrien
XChallenge in Mainz
Mein letztes Gefährt war die damals gerade herausgekommene 1200GS. Mit 30kg weniger als die 1150 endlich ein Schritt in die richtige Richtung. Vollgepackt war sie mir aber immer noch zu schwer. Nachdem im ersten Jahr 3 mal die Batterie erneuert und sie mehrmals abgeschleppt worden war, bekam BMW das langsam in den Griff, und ich machte mich auf den Weg nach Mombasa. Bis Syrien klappte alles wunderbar, im WadiRum dann drehte nach einigen Stürzen im Sand der Motor plötzlich hoch ohne das Moped zu beschleunigen. Kupplung defekt? Auf der Strasse war's wieder ok, ich also weiter über Kairo und die Weiße Wüste nach Luxor. Auf halber Strecke nach Assuan im Polizei-Konvoi (für 1 Auto und 1 Moped) ging dann nichts mehr. Das sogenannte "Hinterradwackeln" des ersten Jahrgangs 2004 hatte zugeschlagen. Dabei dehnen sich im Hinterradlager unterschiedliche Materialien bei Erwärmung verschieden aus und die Zahnräder raspeln so langsam alles ab, was da im Weg ist. Auf Grund des Gepäcks habe ich es erst bemerkt, als nichts mehr da war.
Mitten im Ramadan haben die ägyptischen Superboys mir eine Woche lang nach Mitternacht die Alu-Teile auf einer Drehbank aus Eisen nachgebaut, denn nur dieses konnten sie schweissen. Dann fuhr ich die 8000 km wieder zurück, und es hielt! BMW gab zwar keinen Fehler zu, erneuerte aber das halbe Motorrad auf Kulanz. Mein Vertrauen aber war dahin, das Ding wurde verkauft.

Für die nächste Reise, diesmal mit Explo-Tours nach Südamerika, suchte ich eine leichtere Enduro. Bei einem Händler stand sie da, die BMW G650 XChallenge, in blau-weiß. Waren es heimatliche Gefühle - ich bin gebürtiger Münchner - oder hab ich mich vom Preis überzeugen lassen, ich weiß es nicht. BMW hat sich mit der Serie 650X wohl ziemlich verspekuliert, sie wurde nur ein Jahr gebaut und anschließend verramscht, als keiner die teuren Teile haben wollte. Für etwas mehr als die Hälfte des Neupreises einen Vorführer, das fand ich ok.
Hier mal die wichtigsten Pluspunkte für mich:
  • 156 kg Gewicht
  • langlebiger und bewährter Rotax-Motor
  • 3,6 l Verbrauch
  • 270 mm Federweg vorn und hinten
  • Wartungsinterval 10000 km
  • damals sehr günstiger Preis
Die Nachteile sollen aber auch nicht verschwiegen werden:
  • 93 cm Sitzhöhe (!)
  • Foltersitzbank, man steht besser
  • Aluheck für Gepäck ungeeignet (kann brechen)
  • nur 9,5 l Tank
  • Wartungsarbeiten teils umständlich
An der Luftfederung scheiden sich die Geister. Ich wollte nicht in Zubehör genauso viel investieren wie in das Moped selbst und habe auf ein Öhlins verzichtet. Nicht aber auf einen großen Zusatztank sowie ein Stahlheck mit Alu-Koffern von TT sowie eine niedrigere und komfortablere Sitzbank von Kahedo. Mit über 600 km Reichweite, geringem Gewicht und Platz für reichlich Gepäck kommt die XC in puncto Fern-Reisetauglichkeit wieder an die alte XT600 Tenere heran, mit einem deutlich besseren Motor. 7000 km in Südamerika in Höhen bis 5300 m (allerdings ohne Gepäck) haben mich von dieser Maschine überzeugt, selbst mehrere Stürze hat sie ohne große Blessuren verkraftet.
  
  

Kommentare:

  1. Hallo Uwe,

    hier wurde ja lange nichts mehr geschrieben. Ich habe auch eine XChallenge mit großem Tank und möchte mit der im Juni nach Albanien und im Dezember von Südafrika bis Ägypten. Ich habe die Luftfederung drin und die ist absolut dicht, ich muss so gut wie nie nachpumpen. Jetzt stellt sich die Frage, ob man die vorsichtshalber gegen eine herkömmliche Federung tauschen sollte. Was ist das für eine Sitzbank auf der BMW? Sieht bequem und niedriger aus.

    Viele Grüße
    Ulli
    ulli_munich@gmx.de

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  2. Hallo Ulli, ist ein tolles Moped! Die Sitzbank ist von Kahedo, bequemer als das Original und etwas niedriger. Wenn Du meine Beladung in Ulan Bator ansiehst, ist klar, dass die Luftfederung an ihre Grenzen kam. Allerdings wäre das ja langsam weniger geworden. Eine Luftfederung mit soviel Gepäck kannst Du an der Tankstelle nicht mehr aufpumpen, da braucht man die Handpumpe oder einen guten Kompressor.
    Ich fahre jetzt eine KTM 690, trauere aber der XC immer noch nach.
    Uwe

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