Dienstag, 30. August 2011

Abgesang

irgendwie musste die Platte ja rein
Nach Operation und zahlreichen Arztbesuchen bin ich inzwischen wieder auf der Arbeit. Die Metallplatte in der Schulter soll noch 1 1/2 Jahre dort bleiben und behindert mich ganz schön. Über die Waagrechte darf ich meinen linken Arm sowieso nicht heben. Die Rippen werden jeden Tag besser, selbst Lachen und Husten tut nicht mehr so weh wie noch vor einigen Wochen. Etwas Sorgen macht mir nur der Drehschwindel, der mich sehr oft nach bestimmten Kopfbewegungen befällt, z.B. wenn ich den Kopf nach hinten lege, um ein Gebäude zu betrachten, oder nach dem Flachliegen ganz allgemein. Der Arzt spricht von Kristallen im Gleichgewichtsorgan, die sich möglicherweise durch den Sturz gelöst haben, und der durch sie ausgelöste Reiz kann vom Gehirn nicht verarbeitet werden, was diesen Schwindel auslöst. Tauchen oder Klettern oder auf eine Leiter steigen ist damit unmöglich, und ich hoffe, dass dieser Lagerungsschwindel bald abklingt. Morgen bin ich beim HNO deshalb.

Neben dem gesundheitlichen Aspekt gibt es auch einen finanziellen. 8 Visa, von denen ich nur eines gebraucht habe, neben dem Hin- nun auch noch den teureren Rück-Transport vom Moped, diverse Ausgaben für den Transport und den Rückflug, das alles ist zwar ärgerlich, aber zu verschmerzen, zumal der ADAC - so hoffe ich - zumindest die Flüge zurück nach Deutschland bezahlt, war ich doch bei ihm krankenversichert. Das Moped ist bis auf die Spiegel und das GPS ganz geblieben, so wenigstens habe ich es in Erinnerung.
Schlechter fällt die Bilanz aus psychischer Sicht aus. Fast 1 Jahr Vorbereitung war für die Katz, mein Zutrauen in das Moped und meine Fahrkünste für zukünftige Reisen ist gegen Null gesunken.Und in Hartmut's Blog konnte ich jeden zweiten Tag nachlesen, was ich denn nun versäumt hatte. Zudem ist ein großer Traum plötzlich ausgeträumt, und es ist mir in der Zwischenzeit noch nicht gelungen, dafür einen Ersatz zu finden. Passend dazu der Song von Pink Floyd im YouTube-Fenster.

Tröstlich finde ich den Gedanken, dass im Grunde diese Reise nicht geeignet war, wirklich tiefer in eines der fremden Länder einzusteigen. Es ging hauptsächlich darum, von A nach B zu kommen, es gemacht zu haben, anzukommen, aber es gab keine Zeit zum Verweilen, zum Kennenlernen der Einheimischen, für Umwege oder Zufallsbekanntschaften außerhalb der Traveller-Gemeinde. Deshalb waren auch die andern Reisenden das Interessanteste. Hartmut in seinem Blog: "Aber der Gag ist ja, dass wir Leute wie Resi hier am laufenden Band treffen, und das ist es, warum wir das alles machen und gut finden und irgendwie auch nie allein sind... ".
Sicher wäre ich genauso stolz und zufrieden gewesen wie Hartmut, auch wenn ich nur einen Teil seiner Reise mitgemacht hätte, aber ich glaube, dass ich mir so manches Land gerne später noch ein zweites Mal mit mehr Muße und Zeit hätte ansehen wollen. Das versöhnt mich auch ein wenig, weil ich nicht das Gefühl habe, wirklich alles verpasst zu haben.

Das Reisen  wird weiter ein wichtiger Lebensinhalt bleiben, aber in welcher Form, das weiß ich nicht. Die letzten 3 Reisen mit dem Motorrad brachten mich nur einmal ans Ziel, vielleicht ist das einfach nicht die für mich geeignete Art des Reisens. Ein Geländewagen mit Reiseausstattung würde mir schon gefallen, aber was mache ich mit dem , wenn ich nicht unterwegs bin? Reisen mit dem Fahrrad oder ganz wie früher mit Rucksack und öffentlichen Verkehrsmitteln, das könnte auch etwas für mich sein. Mal sehen, was die Zukunft bringt.
Von meiner kompletten Photoausrüstung habe ich mich schon mal getrennt. Fast 10 kg Gewicht für etwas bessere Qualität, das muss nicht sein. Und das Gewicht wiegt auf dem Motorrad doppelt so viel, mit dem Rucksack kann man so eine Ausrüstung überhaupt nicht mehr schleppen. Vor der nächsten Reise hole ich mir eine kleine Kamera für die Hosentasche mit großem Zoombereich, die tut es auch. Mein Chef legt Wert darauf, dass ich den Urlaub noch dieses Jahr mache. Im November habe ich Zeit dafür, nur noch keine Ideen. Äthiopien, mit dem Rad nach Sizilien, Thailand ? Es wird sicher davon abhängen, wie sich mein Schwindelgefühl entwickelt. Am kommenden Sonntag wäre ich normalerweise nach Hause gekommen, schade, es sollte nicht sein. Nach 5 Wochen schaue ich aber jetzt schon wieder nach vorne und freue mich auf meine nächste Reise.
  

Kommentare:

  1. Gedicht
    Schicksal

    von Annegret Kronenberg


    Wenn das Schicksal ohne Rücksicht

    seine Schläge wild verteilt,

    musst du froh sein und zufrieden,

    dass es dich nicht hat ereilt.



    Doch für den, der's abbekommen,

    fängt ein neues Leben an,

    viel verloren, viel gestrichen,

    begreifen, was man nicht mehr kann.



    Da hilft dir nicht der Sonne Lachen,

    da nützt kein leuchtend Abendrot,

    du fühlst dich jetzt alleingelassen

    und wärest manchmal lieber tot.



    Doch mit den Jahren kommt Gewöhnung,

    du spürst, wer wirklich zu dir steht,

    du musst den Kopf ans Herz gewöhnen,

    gewahrst, dass Manches doch noch geht.



    Schaust nicht mehr traurig auf die andern,

    hast selbst gefunden deinen Pfad,

    kannst nützlich sein für viele Menschen,

    drehst fleißig mit am Lebensrad.

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  2. Vielen Dank für diese informativen Bericht über Deine Reise durch die Mongolei. - Auch wenn es abrupt enden musste, ich hoffe, Du hast das Hobby Motorrad zu fahren nicht ganz an den Nagel gehängt. Ich war erst vorletzte Woche mit einem Kollegen in der Ukraine und Rumänien unterwegs und gerade ihn, der in meinen Augen ein ausgezeichneter und leidenschaftlicher Fahrer ist, der mehr als 40.000km/Jahr fährt, hat es böse gelegt und ich dachte schon im ersten Moment, er habe sich Schulter und Hüftknochen gebrochen... aber nochmal gutgegangen. Was ich damit sagen will: Man steckt oftmals nicht drin und es hat auch immer mit einem Anteil von Pech/Unglück zu tun, wie man gerade eine Bodenwelle oder andere Widrigkeiten erwischt.
    Alles Gute Dir und die Linke zum Gruß,
    Karim

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