Montag, 12. März 2012

das Ende vom Lied

 
Mitte Januar, also fast ein halbes Jahr nach meinem Unfall, ist die XChallenge tatsächlich doch noch bei mir in Mainz eingetroffen. Geschickterweise war die Transportkiste ganz vorne im LKW, seitlich und hinter der Kiste lagen riesige Stahlträger. Da nützte kein Hubwagen und keine Ladebordwand, wir mussten die Kiste an Ort und Stelle zerlegen und die XC ohne Vorderrad in die Garage tragen. Nun stand sie da, mit einigen Schrammen, aber ohne ernsthafte Defekte. Die Spiegel waren zum Glück an der Sollbruchstelle abgebrochen, zwei neue Schrauben, und sie waren wieder heil. Den verbogenen Navi-Halter von Touratech entsorgte ich gleich im Müll genauso wie die angerostete Vorderradbremse. Zufälligerweise hatte ich nämlich noch eine nagelneue Bremse mit Belägen in der Garage. Den Hinterradbremszylinder, durch Staub und Dreck blockiert, ließ sich BMW mit 130 Euro fürstlich entlohnen. und eine neue Batterie mußte auch her, weil die erst ein gutes Jahr alte BMW-Batterie die 5 Monate ohne Ladung bei unter -30°C nicht überlebt hat.
Das war tatsächlich alles, was zu reparieren war, ich war angenehm überrascht. Natürlich hat die XC mit dem neuen Sturz und dem anschließenden Transport noch einiges an "Patina" dazugewonnen. Der TT-Tank aus Plastik hat jetzt nicht nur Kratzspuren in der jeweiligen Landesfarbe (rot noch aus Südamerika, grau jetzt aus der Mongolei), sondern auch einige Reifenabdrücke von der Ersatzreifen, die einfach nicht runter zu waschen sind. Durch die fast halbjährige Standzeit sind auch einige Schrauben angerostet, obwohl sie meistens im Container stand. Aber die wichtigen Teile sind alle in Schuss und eigentlich ist die XC schon wieder fertig für eine neue Reise.
Beim Entladen des LKWs habe ich noch einmal erfühlt, was die arme XC alles zu schleppen hatte. Die 2 Alu-Kisten wogen jede sicher 25 kg, dazu zwei schwere Packsäcke mit Kleidung, Camping und Ersatzteilen, 2 Ersatzreifen, die riesige Ortlieb-Tasche und nicht zuletzt den 10 kg schweren Rucksack mit der Photoausrüstung! Wahnsinn, das würde ich nie wieder machen. Bis auf ein neues Werkzeugset kam auch tatsächlich alles wieder zurück! Allerdings mußte ich den größten Teil des einen Alu-Koffer-Inhalts entsorgen, da dieser durch den Sturz undicht geworden war und auf dem langen LKW-Transport von Khovd nach Ulan-Bator mehrere Liter Wasser den Weg ins Innere fanden. Kocher, Werkzeug, Bücher und Karten waren entweder aufgequollen oder verrostet.

Durch die Kälte im Februar verschob sich die Reparatur bis Anfang März. Den durch den Unfall nicht genommenen Urlaub hatte ich schon im Herbst auf einer Reise nach Uganda nachgeholt. Kein Motorradanzug, kein Helm, eine Tasche als Gepäck, und eine Bridgekamera statt vielen
Objektiven, das hatte etwas Befreiendes. So entschloß ich mich, die XC zum Verkauf anzubieten.  Kaum zu glauben, nach knapp 2 Stunden musste ich die Anzeige schon wieder rausnehmen, es hatten sich schon mehrere Interessenten gefunden, die die XC haben wollten. Da bei mir ein Wort noch gilt, bekam der Erste den Zuschlag, der sie wollte. Vorsichtshalber lass ich mir aber doch noch eine Anzahlung geben, denn in Zeiten des anonymen Internets ist es durchaus üblich, morgen nichts mehr von dem zu wissen, was man gestern gesagt hat. Es scheint, als käme sie in artgerechte Haltung, der Käufer ist nicht nur häufig im 650X-Forum, sondern spielt mit seinen Einzylindern auch gerne im Matsch. Ich wünsche ihm jedenfalls viel Spass.

Da ich dieses Jahr mehrere kürzere Reisen mit Ulli geplant habe, stellt sich die Frage nach der Art des Reisens erst mal gar nicht. Für das nächste Jahr allerdings spuken mir schon verschiedene Ideen im Kopf herum: Radtour in Südamerika, Trekking in Nepal, oder doch noch einmal nach Afrika, z.B. Äthiopien oder Sambia. Ein wenig hängt das auch von meiner zukünftigen Arbeitssituation ab, es werden gerade massiv Stellen abgebaut. Reisen aber bleibt ein Hobby von mir, egal ob mit Moped, Auto, Rad oder Rucksack. Ich hatte schon öfters kein Motorrad mehr, und immer habe ich mir dann doch wieder eines gekauft. Schaun wir mal .....

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